
Kapstadt ...
- das ist Hafen, Industrie, Hochhäuser großer Konzerne
- das sind Grands Hotels, Villenviertel, Alleen, Parks, Strände
- das sind Golfplätze und Bolzplätze
- das sind reizvolle Kontraste zwischen verschiedenen Baustilen
- das sind Universität und Krankenhäuser (die zu den besten der Welt gehören)
- das ist die Waterfront: Einkaufsmeile und Restaurants vom feinsten (wennman an Münchner Preise gewöhnt ist, nicht mal teuer)
- das sind Minibustaxis, die in atemberaubender Weise jede Lücke im Verkehr nutzen
- das sind großartige Berge: Signal Hill, Lion's Head und der Tafelberg mit seiner einzigartigen Fynbos-Vegetation. Eidechsen inbegriffen. Wunderschöne Oasen.
- das sind Weiße, Asiaten, Farbige, Schwarze – letztere noch immer überwiegend im unteren Einkommensbereich, vielfach im Dienstleistungsgeschäft wie z. B. in Restaurants: freundlich, höflich und oft humorvoll; auch mal zu einem Schwätzchen über Deutschland aufgelegt ("mein Bruder war dort").

Anmerkung: Ich werde hier zur Unterscheidung der Rassen / Hautfarben die Begriffe "Weiße" und "Farbige" benutzen, wie sie bei uns gebräuchlich sind. Für ungeschulte europäische Augen ist die alte Burenklassifizierung "weiß - asiatisch - farbig - schwarz" auch nur schwer zu durchschauen, und wo sie nicht zum Verständnis der Situation beiträgt, sollten wir lieber anfangen, sie zu vergessen. Zum Nachlesen ist sie hier noch mal zusammen gefasst.
Als Tourist erlebt man die Menschen aller Hautfarben hier allgemein als freundlich und humorvoll; irgendwie so, als fänden sie ihren Platz im Leben genau richtig. Sie bewegen sich gemächlich in der Hitze (was sehr klug ist), aber grundsätzlich würdevoll. Leider sieht man nciht hinter die Kulissen: wie z. B. Weiße mit Farbigen umgehen. Die junge Generation, die in gemischte Schulen geht, ist da sicherlich schon einen Schritt weitr, aber ob die vor 1970 geborenen Weißen die ihnen anerzogene Rassentrennung wirklich abgelegt haben, möchte ich doch bezweifeln. Es war eben alles früher so "einfach" (für die Weißen), warum sich umgewöhnen?
Der Führer im "Topless Bus", ein Weißer über 50, erzählt von der Apartheid als von einem "großen Fehler", der viel Schaden angerichtet hat, aber – ist es seine Meinung oder nur "politically correct"?
Die Weißen im Touristengewerbe erklären die schönsten und sehenswertesten Stellen in der jeweiligen Gegend so, als würden sie die peinlichen (z. B. die informal settlements) gar nicht mehr sehen ...
Eines wird deutlich: die Menschen hier (die meisten zumindest) lieben ihr Land und halten es für das schönste der Welt. Das, zusammen mit der offiziellen Politik der Rassengemeinschaft, gibt dem Land vielleicht eine Chance – wenn die Unterprivilegierten die nötige Geduld aufbringen, noch ein paar Jahrzehnte auf eine wesentliche Besserung ihrer Situation zu warten.
Würden wir sie aufbringen? Ich weiß es nicht. "Ein paar Jahrzehnte warten" heißt für die einzelnen immerhin: "vielleicht erlebe ich es nicht mehr."
Und er oder sie weiß: " Ich habe nur dieses eine Leben!"
Wer von uns wäre da bereit, nur mit den kleinen Fortschritten zu leben, die an den Statistiken abzulesen sind? Vor allem, wenn jemand weder lesen kann noch eine Statistk kennt ...
Wenn ich mit meiner Familie in einem Bretter- oder Papp-Verschlag lebe (8 m2), jeden Tropfen Wasser holen muss, mit immenser Brandgefahr rechnen muss aufgrund der Enge, der Baumaterialien und des Gebrauchs von Gas und Kerzen, und ein paar Hundert Meter über das nächste Brachland hinweg sehe ich ein Grand Hotel, wie Disney Pictures es nicht schöner hätten erfinden können? Und ich muss mit meiner Familie im Monat mit weniger Geld auskommen, als dort ein Zimmer pro Nacht kostet?
Ich kann die Wut der Menschen verstehen, die da kriminell werden. Irgendwann übersteigt die Verzweiflung jeden Skrupel.
Möge das "Kap der guten Hoffnung" seinem Namen Sinn verleihen ...


