Einige scheinbar notwendige Anmerkungen zum Thema Korruption


Unangefochten den ersten Platz in der Hitparade der Ausreden, warum man in Lateinamerika "unter keinen Umständen Produkte in der Qualität und mit einer Preisgestaltung wie bei uns in Europa herstellen kann," belegt die Behauptung, Korruption sei gleichsam ein Naturgesetz und "man könne einfach nichts dagegen machen."
Daß dies eine Behauptung fern jeder sachlichen Begründung ist, wird im Haupttext erläutert. Dennoch soll an dieser Stelle Franz Lerchenmüller mit einer Glosse aus der Zeitung Freitag zitiert werden, in der er u.a. ausführt:
" Rührt der Beamte keinen Finger und keinen Stempel an, bevor er nicht ein paar Scheine im Paß findet, ist er nicht etwa korrupt, sondern nun einmal eingebettet in traditionelle Strukturen."
Und an anderer Stelle:"Schreibt ihnen der Barkeeper drei Biere zusätzlich auf die Rechnung, dann beschweren sie sich nicht etwa, sondern löhnen ergeben und erklären den Posten zu ihrem persönlichen Beitrag zur Entwicklungshilfe.
Zu diesen eher amüsant zu nennenden Begebenheiten gesellt sich leider die ernst zu nehmende Tatsache, daß mancher nach Lateinamerika abgestellter "Manager" sehr schnell erkennt, daß die dort grassierende Korruption durchaus zu seinem persönlichen Vorteil zu instrumentalisieren ist. Etwaige moralische Bedenken werden regelmäßig mit der Bemerkung weggewischt, "Korruption sei dort gang und gäbe und Teil der südländischen Mentalität." Schlimm daran ist, daß dieser Unsinn offensichtlich in deutschen - und nicht nur in diesen - Konzernzentralen kritiklos geglaubt wird. So ergibt es sich zwangsläufig, daß man ständig den Bock zum Gärtner macht und damit der einheimischen Belegschaft ein verheerendes Beispiel gibt:

Nicht der Bessere, sondern der Korruptere setzt sich durch!